Die Frage wird fast immer in der falschen Einheit gestellt. Die meisten möchten eine bestimmte Gigabyte-Zahl wissen, aber eine ehrliche Antwort gibt es nicht, denn zwei Reisende mit identischem Reiseplan können sich im Verbrauch um das Fünffache unterscheiden, je nachdem, ob sie Videos schauen oder nicht.
Sinnvoller ist es also zu überlegen, was Sie an einem Tag nutzen, und dies dann mit der Anzahl Ihrer Reisetage zu multiplizieren.
Video macht den größten Unterschied
Diese Grafik enthält die vier wichtigsten Zahlen in diesem Ratgeber. Die gleiche Stunde Fernsehen kostet je nach Qualitätsstufe 0.3 GB oder 7 GB, das ist mehr als das Zwanzigfache.
Daran liegt es, dass Empfehlungen zum Datenvolumen oft widersprüchlich sind. Wer auf dem Handy keine Videos anschaut, benötigt für eine Woche unterwegs oft weniger als ein Gigabyte. Wer jeden Abend eine Stunde Ultra-HD streamt, braucht fünfzig, und der Unterschied liegt nicht am Zeitpunkt oder Reiseziel, sondern an nur einer Gewohnheit.
Die gute Nachricht ist: Diese Gewohnheit lässt sich anpassen. Jede Streaming-App hat eine Qualitätsoption für mobile Daten, mit einem Fingertipp lässt sich der Verbrauch deutlich senken.
Alles andere fällt kaum ins Gewicht
Lässt man Videos außen vor, bleiben die Zahlen überschaubar.
Textnachrichten und E-Mails ohne Anhänge kosten beinahe nichts. Eine Webseite macht ein paar hundert Kilobyte aus. Karten sind nach der Routenberechnung genügsam, denn den Großteil erledigt das Handy. Musik liegt in der Mitte, rund 40 MB pro Stunde bei normaler Qualität ist ein sinnvoller Wert.
Ein weiterer Posten, der viele überrascht, sind Fotos. Moderne Handyfotos sind zwei bis fünf Megabyte groß, das Hochladen von hundert Fotos kostet also einige Hundert Megabyte, das ist verschwindend gering im Vergleich zu einer Stunde Video. Videoaufnahmen sind die Ausnahme: Schon eine Minute Handyvideo kann hundert Megabyte beanspruchen.
Zusammengenommen kommen Karten, Nachrichten, Surfen und einige Fotos an einem typischen Tag auf deutlich weniger als ein halbes Gigabyte. Eine Woche davon entspricht zwei bis drei Gigabyte.
Ihr eigenes Datenvolumen berechnen
Der Rechner unten arbeitet mit Ihren Angaben für einen Reisetag. Stellen Sie die realistischen Stunden ein, und das Ergebnis wird entsprechend auf die Gesamtreisedauer hochgerechnet.
Zwei Hinweise zur Berechnung: Das Ergebnis ist eine Schätzung auf Basis typischer Werte, betrachten Sie es daher als grobe Richtung, nicht als Garantie. Und es zählt nur mobile Daten, alles im Hotel-WLAN ist kostenfrei und fließt nicht ein.
Mit ein paar Gewohnheiten reicht ein kleiner Tarif aus
Das Muster, mit dem viele Reisende mit weniger Datenvolumen auskommen als gedacht, ist einfach: Die großen Posten ins WLAN verschieben.
Karten schon zuhause herunterladen. Sendungen schon zuhause herunterladen. Die Fotomediathek abends über das Hotellnetz sichern, nicht tagsüber über mobile Daten. Automatische App-Updates über mobile Daten abschalten, sie verbrauchen Daten im Hintergrund und bleiben oft unbemerkt.
Kein Verzicht: Der Datenverkehr erfolgt so über ein schnelles, kostenfreies Netz und Sie behalten das mobile Volumen für die Dinge, die unterwegs wirklich nötig sind.
Kleiner oder großer Tarif?
Es gibt zwei praktische Ansätze.
Wer unsicher ist, fährt gut mit einem kleinen Tarif und späterem Nachkauf, Sie zahlen dann nur, was Sie wirklich brauchen. Das Nachladen kann jedoch manchmal umständlich sein, besonders mit einer Reise-eSIM, bei der der Kauf online und nicht über eine SMS an einen Anbieter läuft.
Groß kaufen und entspannt reisen eignet sich, wenn der Datenbedarf kritisch ist, etwa für Autofahrten durch abgelegene Gegenden oder einige Tage Arbeit aus dem Hotelzimmer. Das Risiko ist, dass Sie Datenvolumen bezahlen, das dann verfällt; das ist tatsächlich die häufigere Variante.
Der mittlere Weg, welcher meist günstiger ist, ist: einen überschaubaren Tarif kaufen und eine Gewohnheit anpassen. Die Videoqualität auf Standard oder niedriger stellen bringt schnell den doppelten Spareffekt, ganz ohne Zusatzkosten.
Was tun, wenn das Datenvolumen aufgebraucht ist?
Auch wenn das Volumen aufgebraucht ist, gibt es keine Katastrophe, mit den Optionen im Hinterkopf bleibt alles entspannt.
Bei einer Reise-eSIM kaufen Sie einfach einen neuen Tarif und installieren ihn; das dauert wenige Minuten und funktioniert problemlos. Bei einer lokalen SIM genügt ein Guthaben-Bon aus dem nächsten Geschäft, das Problem ist in zwei Minuten gelöst. Mit Hotel-WLAN können die meisten Anwendungen bis zum Abend warten.
Kritische Situationen sind, wenn Sie erst feststellen, dass das Datenvolumen leer ist, wenn Sie es brauchen, deshalb ist der Halbzeit-Check sinnvoll: Vergleichen Sie die bereits verbrauchten Daten mit den verbleibenden Tagen, dann erleben Sie keine bösen Überraschungen.
Ein letzter, wichtiger Tipp vor dem Kauf: Prüfen Sie im Handy, wie viel Datenvolumen Sie zu Hause in einer normalen Woche verbraucht haben (in den Einstellungen unter mobile Daten) und wofür. Dieser Wert ist viel aussagekräftiger für Ihre persönliche Nutzung als jede Tabelle, und in einer halben Minute gefunden.